08. Januar 2012

Das Wandern in alten Erinnerungen,
gelegentlich Ausdruck von Resignation und in Kauf genommener Selbstverletzung.
Ich erzähle mir immer wieder von dem Gestern, in welchem ein Teil von mir gefangen ist,
in welchem ein Teil von mir nicht an Morgen denken kann.
Das Durchleben von Situationen, die hätten sein können,
Das Führen von Gesprächen, die hätten geführt werden können,
aber nur in meinem Kopf.
Das verstehen von Gesprächen, die geführt wurden,
die ich aber nie verstehen wollte.

Fliehende Stürme – Kind

„Wie soll ich dir erklären, ´oh mein Kind,
dass so vieles hier nicht stimmt.
Du hast so schöne Augen, ich hab´ Angst
Dass auch dieser Glanz
zu schnell verschwimmt.“

WalterMossmann – Lied vom Lebensvogel

Verhalten

Hier im Folgenden ein metaphysischer Gedankengang von mir, zum Selbstbeweis der Gerichtetheit des Verhaltens.
(Zuweilen hat die Ausführung, durch den bewusst vorsichtigen Gebrauch von Wörtern, einen komplizierten Ausdruck.)

Wenn ich mich zu mir selbst verhalte, verhalte ich mich nicht zu mir selbst.

Das Selbst ist das in sich, sich bewegende Ich.
Das Selbst ist in der Zeit.

Wenn ich mich zu mir selbst verhalte, verhalte ich mich nicht zu meinem warenden Selbst. 1
Wenn ich mich zu mir selbst verhalte, verhalte ich mich nicht zu meinem seienden Selbst. 2

In der Zeit liegt das warende Selbst im seienden Selbst.

Wenn ich mich zu mir verhalte, ist das seiende Selbst das warende Selbst.

In Raum und Zeit ist dem Verhalten eine Gerichtetheit wesentlich.

Wenn ich mich zu mir selbst verhalte, verhalte ich mein warendes Selbst im seienden Selbst zu einem, vor und im Verhalten nicht seienden, werdenden Selbst.

Wenn ich mich zu mir selbst verhalte, verhalte ich mich zu meinem werdenden Ich.

  1. Die Aussage unterstellt die Unmöglichkeit einer Zeitreise [zurück]
  2. Verhalten hat keinen Selbstzweck. Fehlt die zeitliche Gerichtetheit, so fehlt dem Verhalten der Wesenssinn. [zurück]

21. November 2011

Wenn die Tage kälter werden, werden oft auch die Lieder trauriger.
Viele Menschen bleiben lieber zu Hause, mit heißem Tee, unter einer warmen Decke.
Viele von ihnen mögen den Winter, aber nicht die Kälte.
So ist man nach der Arbeit oft allein, oder zumindest nicht unmittelbar in den Zuständen, die sich im Alltagsstress vor die Gefühle schieben und Sie vergessen lassen. Eine Zeit der Besinnung soll es sein, die Außenkälte als Rechtfertigung für Gemütlichkeit…

Und wenn uns die Besinnung und der Tee zu viel werden, locken uns die Shoppingmeilen der Innenstädte mit Glühwein, blinkenden Werbetafeln und Rabattschildchen.
Kauf, Rausch, Ellenbogen und Neid, während in den Schaufenstern Spielzeugbabypuppen nach ihrer Mama rufen. Das leere Portmonee am Ende des Tages ist der Beweis für das Glücksgefühl, an einen lieben Menschen gedacht zu haben, etwas geben zu können.
Wie viel haben wir vergessen, wie viel haben wir verlernt, wenn wir es nötig haben, die Liebe zu unseren Mitmenschen mit Klamotten, Gutscheinen und Parfüms symbolisch zu beweisen oder sie uns selbst zu bestätigen.

Vielleicht haben wir nichts vergessen, nichts verlernt. Vielleicht haben wir nur keine Zeit mehr, keine Nerven, keine Gefühle mehr übrig für die Welt jenseits von Leistungsdruck und Geldscheinen.
Die Menschen die das eingesehen haben, suchen nach Loslösung. Viele können nur noch nach einem Bier intelligent und fröhlich sein, Andere kaufen sich die Schönheit, das Gefühl begehrenswert zu sein.
Kaum einer hört den Grund dafür, weil diejenigen, für die sich das alles nicht mehr lohnt, irgendwann anfangen zu schweigen.

01. November 2011

Ein wunderschöner Herbstag, etwas Sonnenschein, Blätter auf den Gehwegen, Sonderangebote zu Schnäppchenpreisen und einiges an Arbeit auf dem Schreibtisch. Überall Menschen die ihre Arbeit hassen, oder den Tag, oder die Blätter, oder die Sonne, aber es gibt ja noch die Sonderangbote.

Google entspricht dem Leben vieler Menschen: Die meisten Treffer zum Thema Liebe führen zu Kindergeldsbestimmungen und Online-Dating-Netzwerken… Hoffnung zum Sommerschlussverkauf.
Getrocknete Tränen laufen nicht mehr und sind trotzdem noch zu salzig.
Das führt dazu, dass Menschen in Sackgassen laufen und sich nicht trauen sich umzudrehen, weil hinter Ihnen nur die Vergangenheit lechzt. Es bleiben nur Erfahrungen und ihre Gedichte, die niemals zu Ende geschrieben werden.

Ich glaubte, es gibt Menschen, die diese Welt nicht verdient hat. Zum Guten, zum Schlechten. Bei den Schlechten, glaub ich das immer noch. Sie haben meistens Waffen, um mich davon zu überzeugen. Deshalb bin ich gern an Orten, wo ich einen Weltuntergang nicht mitbekommen würde.
Die Guten halten sich im Land der Feen und Elfen versteckt.

Die Leute fragen sich immer wie Sie für Andere sein sollen, aber nie, wie sie für sich selbst sein wollen. Ich sehe überall externe Persönlichkeiten. Aber alle sind sie ja sooo individuell und selbstbewusst. Und da versteht leider kaum jemand, dass man manchmal etwas für jemanden sein muss, um sich selbst zu finden. Die Spinne findet dich, wenn du diesen Jemand nicht findest.
Darin sind wir alle gleich.

Ich hoffe dass Metaphern manchmal leichter zu fassen als klare Worte. Immerhin steckt da soetwas wie Gefühl in ihnen oder die Hoffnung, dass die Leser meine Gedankensprünge besser verstehen, als ich selbst.

Die Welt, die ich sehe

„In der Welt, die ich sehe, jagst du Elche durch die feuchten, bewaldeten Schluchten rund um die Ruinen des Rockefeller Center… Du trägst Ledersachen, die den Rest deines Lebens halten werden… Du kletterst die dicken Kutso-Ranken empor, die den Sears Tower umschlingen… Ein Blick hinunter, und du siehst winzige Gestalten, die Mais stampfen… Und Streifen von Wildbret auf der leeren Überholspur eines verlassenen Super-Highway auslegen…“

(Tyler Durden, Fight Club)

Prinz Pi – Die fabelhafte Welt der Anarchie

„Unser Geld hat einen unrealen Wechselkurs.“

21. September 2011

Nun, ich hab schon lange nichts mehr zu Papier, oder auf den Bildschirm gebracht, ersteres wahrscheinlich noch weniger.
Ich tippe solche Zeilen in meinen Computer, und schließe danach die Dokumente absichtlich ohne zu speichern.
Es gibt so viel zu erzählen, und zu viel zum darüber hinweg erzählen,
so viele Inspirationen, zu viel Käuflichkeit.

Vieles ist teuer geworden.
Meine Ansichten, die ich nach dem Kauf nur noch für einen Groschen auf den Flohmärkten der Gedanken Anderer verscherbeln kann.
Meine Klamotten, die Nebenprodukte so mancher Sehnsüchte aus alten Tagen sind, damals wie heute.
Meine Zeit, die rastlos zwischen dem Stirnrunzeln auf befremdlichen Abendbeschäftigungen voller Wehmut, und der leeren Hoffnung auf Partys die diese verdrängen, herumirrt.
Und meine Identität, die sich in der Frage nach dem Wer und Was ich bin, danach richtet, Wer und Was ich sein will… und sein soll, und dazwischen logischerweise nie zu einem Ergebnis kommt.

Wie denn auch? Der Spam-Ordner ist voll mit Scheiße, die Nachrichten sind voll mit Müll, und in meinem Kopf sieht´s auch nicht anders aus.
*-Facebook aktualisieren-*
Es ist der 21. September 2011, auch nur ein Tag. Ich sehe in der online-Wetteranzeige nach, ob es regnet, statt mich umzudrehen und aus dem Fenster zu schauen. Wenn es regnen würde, würde ich mich jetzt aufregen.
*-Facebook aktualisieren-*
Irgendwo ist bestimmt wieder irgendwas explodiert, oder irgendjemand, wie jeden Tag. Draußen sitzt ein Obdachloser auf kaltem Stein, wie jeden Tag.
Ich überlege, was ich schreiben möchte und was ich lieber sein lasse, jeden Tag neu.
Es ist der 21. September 2011, die Tage werden kälter, und bald ist ja auch schon wieder Weihnachten…
*-Facebook aktualisieren-*

Christian von Bötticher: No risk, no fun!

Nun, eigentlich eine Komödie; das Ende ist bekannt, und die Presse hat sich von Anfang an die besten Plätze gesichert. Und deshalb interessiert mich das auch nicht weiter.

„Es war schlicht und einfach Liebe“, so formulierte er seine normative Verteidigung in seiner Rücktrittserklärung. Eine „Liebe“ die er nach der Kandidatur zum Spitzenkandidaten seiner Partei, im Namen der Karriere, dann auch „schlicht und einfach“ wieder fallen lassen konnte. Außerdem hat er „keinen privaten Fehler“ gemacht, fühlt sich dann aber trotzdem dazu genötigt, sich bei aller Öffentlichkeit zu entschuldigen.
Ich frage mich, wer hier was zertreten hat. Die Affäre seine Karriere, oder die Öffentlichkeit ihn? Und was ist wohl für den Mann bedeutender, wenn die Situation ihn dazu zwingt vor dieser scheinheiligen Moral zu kriechen.

Ach ja, und war da nicht noch das Mädel? Fragt jemand was sie aus der Situation, mit dieser Erfahrung macht? Ein kurzes erhabenes Gefühl, an der Seite von jemandem in einer Machtposition zu liegen, oder musste sie auch von irgendwas zurücktreten?

Joint Venture – Der trinkende Philosoph

„Warum ich denk´ und bin, das werd´ ich nie versteh´n,
auf dem Gebiet bin ich nicht klüger als als Kind.
Man denkt, man hat es, schon beginnt es, sich im Kreis zu dreh´n.
Solang man drinsteckt, ist man einfach zu blind.“

großartig! :-D

Schon abGEZockt?

Der persönliche Umgang mit der Gebühreneinzugszentrale ist ein eher leidiges Thema. Jedoch haben mir die aktuellen Nachrichten zu den Öffentlich Rechtlichen eine Veranlassung zu diesem Statement gegeben.

Die Verhältnisse, die sich im Rundfunk hierzulande offenbaren sind zum Einen eine gnadenlose Willkür und zum Anderen die Zerstörung der Informationsvielfältigkeit.
Abgesehen von den zusätzlichen Werbeeinnahmen haben die Öffentlich-Rechtlichen allein durch die Zwangsgebühren jedes Jahr mehrere Milliarden Euro als sicheres Budget, weil im Rundfunkvertrag, die Gebühren unabhängig vom Einkommen der Teilnehmer und von der Leistung in Sachen Qualität und subjektiver Ansprüche festgelegt sind. Den Ersteren fließen die Gelder also unabhängig von der Zuschauernachfrage sowieso zu. Von dieser Seite her besteht damit für die öffentlich-rechtlichen Sender ein immenser und gnadenlos überlegener Marktvorteil gegenüber den Privatsendern. Denn die Existenz von Letzteren, die sich ja nahezu ausschließlich über Werbeeinnahmen finanzieren, basiert eben gerade deshalb auf möglichst hohen Zuschauerquoten. Durch dieses permanente Existenzrisiko bleibt den Privatsendern einfach der Handlungsspielraum zur Entwicklung und zum Test neuer Formate und Programme verwehrt, da dies ja mit einem gewissen Quotenrisiko verbunden ist. Und daher ist es auch einfach logisch, dass Letztere ihr Programm massenkompatibel, unkritischer, Informationsreduziert, also letztendlich leichter konsumierbar gestalten (müssen).

Schon allein die Übernahme von Masken, wie Thomas Gottschalk, der über eine millionenschwere Ablösesumme vom ZDF zum ARD wechselt, die zu ebenfalls zig Millionen an veruntreuten Geldern beim KiKa, und die Lizenzen zur Austrahlung der Champions-League-Spiele, die von den Zuschauern ohne Weiteres auch im Free-TV hätten angesehen werden können, …. Diese Zahlungen werden logischerweise zum größten Teil aus den TV- und Rundfunkgebühren finanziert, woher auch sonst.
Und dafür wird scheinheilig an Moral und Ehrlichkeit appelliert? Und dafür soll jedem Bürger das Geld aus der Tasche herausgezwungen werden, „weil es einfach fair ist“???

16. März 2011

In diesen Tagen richtet sich der Blick der Menschheit auf Japan.
Und so langsam aber sicher scheint die Zeit dieses Gebietes und allem, was darauf existiert geschlagen zu haben.
Sofort werden die Gefahren für „uns“, für Deutschland errechnet. Und wenn das Wetter günstig steht, wird die Katastrophe wohl kaum Auswirkungen haben. Alles klar!? Dann können wir ja unser Denken wieder von Schlagzeilen über Karl-Theodor zu Guttenberg, den Kachelmannprozess und den E10-Kraftstoff bestimmen lassen. Ich frage mich eigentlich, wann die das Zeug in Schnapsflaschen abfüllen um auf den erzielten Umsatz zu kommen und dass durch den Konsum alles wieder „Normal“ wird, für das Volk. Genauso normal wie die tägliche Abholzung des Regenwaldes, die Tonnen von Schadstoffen und Müll, die von der Großindustrie in Lust und Wasser gepumpt werden, der Milliardenumsatz der Waffenexporte in Kriegs- und Krisengebiete, das Elend und der Hunger in der Dritten Welt, der Faschismus, der weltweite Menschenhandel, die Kindersoldaten, und all die Menschen und Tiere die deshalb sterben müssen… aber zum Glück nicht bei uns.

Und diffuser Weise ist auf einmal nahezu die gesamte Bevölkerung Deutschlands gegen Atomenergie. Warum müssen immer erst so schreckliche Dinge geschehen, bis ein Großteil der Menschheit anfängt, sich ein Bewusstsein über die Situation zu schaffen und darüber zu reflektieren. Jetzt ist Deutschland ja wiedervereinigt, aber das Denken sieht trotzdem nicht weiter als über die Grenzen von Oder und Neiße. Denn Deutschland fühlt sich so Umsichtig und moralisch Engagiert, jetzt über den Beginn der Abschaltung von Atomanlagen nachzudenken, während diesbezüglich beispielsweise Polen aufrüstet. Standortmäßig scheinen wir hier ja relativ sicher von Naturkatastrophen solchen Ausmaßes zu sein. Naja, die Jahrhundertflut hat auch keiner in diesem Maß erwartet.
Dabei denke ich dann mit Bedauern an die Atomenergie-Gegner die in den 70er und 80er Jahren für ihren Aktivismus die Prügel von der Staatsmacht einstecken mussten. Ey die wurden fertiggemacht, dafür dass sie sich für die Menschheit und diese Welt einsetzten. Und dann geschah die Katastrophe von Tschernobyl. Und genau diese Menschen gehen heute durch die Straßen, und werden nun in einer Selbstverständlichkeit mit Solaranlagen, Wasserkraftwerken, Windrädern und anderen ökologischen Energiekampagnen konfrontiert, dass sie die Schläge von damals wahrscheinlich wieder fühlen.

on and on

„on and on the rain will fall,
like tears from a star,
on and on the rain will show,
how fragile we are“

(Sting – Fragile)

Verfassung und Entlassungsvertrag. Mach´s Gut (tenberg)

Es ist der 01. März 2010, 11:15 Uhr und die Schlagzeilen sämtlicher Medien thematisieren den Rücktritt des strahlenden Kriegsministers der Bundesrepublik Deutschland.
Meiner Ansicht nach, in Anbetracht einiger gegenwärtiger, politischer Debatten1 und des wachsenden Drucks der Gesellschaft und aus den Reihen der Politiker über die Medien, keineswegs unerwartet war. Die Situation, in der er sich zuletzt befand, hat wohl nicht nur seine politische Karriere und seinen öffentlichen Status gebrochen, sondern zumindest ein stückweit auch ihn selbst.

Und das ist alles logisch schlimm und sehr traurig, solange die 15 Minuten in der das Fernsehprogramm zu besagter Thematik läuft, nicht überlagert werden von neuen Ausscheidungen der Modemacher der Frühjahrskollektionen, der Gewinner von „Deutschland sucht den Superstar“ oder neuer Benzinpreiserhöhungen. Ich frage mich nur, wie viele Menschen, die gerade nach zu Guttenbergs Rücktritt, ihn so vehement verteidigen, sich groß echauffieren und empören über den öffentlichen Umgang mit ihm und den Plagiatsvorwürfen heroisch irgendwelche Charaktereigenschaften zuschreiben als wären sie schon jahrelang befreundet, jemals mit allgemein der Politik, seiner Politik und insbesondere seiner Dissertation auseinandergesetzt haben? Wohl ebenso viele, wie die Menschen die ihn genau wegen seiner Doktorarbeit kritisieren und sich über ihn lustig machen.

Zumindest hat Karl Theodor zu Guttenberg zu Beginn der Debatte über die Plagiatsvorwürfe die Öffentlichkeit offenbar belogen2, was nach den guten Recherchen auf der Webseite der Kampagne GuttenPlag.Wiki, die diese gezielte Demontage auf die Spitze treibt, wohl unbestreitbar ist.
Mit dieser Demontage einhergehend, wird die Diskussion über die Dissertation zu Guttenbergs einzig und allein auf die moralische Bedeutung der kopierten und nicht als solche gekennzeichneten Textstellen, von großen Teilen der Öffentlichkeit heruntergebrochen. Eben dieser Schwerpunkt ist leider ein wesentlicher Bestandteil der öffentlichen Diskussion.
Es verwundert mich aber, dass gerade Professoren, Doktoranden und andere Menschen im Dienste einer akademischen Graduierung, den wissenschaftlichen und normativen Wert ihres akademischen Kodex´ gefährdet sehen und daher verteidigen wollen – jene Menschen die den moralischen Zeigefinger gegen die Verhaltensweisen und Menschen in die Höhe halten, die gerade ihr Kodex hervorgebracht hat und immer wieder reproduziert. Die Frage ist also, wo die Anmaßung herrührt, anzunehmen, dass Prominente, Politiker und/oder Adlige darüber erhaben sein müssten – jene Menschen wiederum, die zumindest oder gerade durch den großen Druck der Öffentlichkeit dazu genötigt sind, sich innerhalb einer akademischen Konkurrenz durchzusetzen um ´Jemand´ zu sein.

Und genau deshalb ist es, im Sinne dieser Konkurrenz logisch, wenn alle Verstöße gegen ihren Kodex als „Fehler“ verklärt werden. „Wer suchet, der findet.“ Und wer auf der Suche nach solchen Fehlern, in Form von, nicht mit Anführungszeichen, Fußnoten und Quellenangaben versehenen Textbestandteilen ist, den interessiert logischerweise eine inhaltliche Auseinandersetzung nicht.
Es wäre doch aber viel sinnvoller gewesen, besagte Textstellen auf ihren Gehalt und ihre Richtigkeit zu überprüfen, statt sich bloß darauf zu konzentrieren, ob sie mit den ohnehin Lesefluss beeinträchtigenden und irrelevanten Quellverweisen versehen sind.
Darin war zu Guttenberg seinen Diskreditanten zumindest in einem Punkt voraus, denn immerhin musste er sich schon überlegen, ob und in wie weit er die bereits von Anderen publizierten Erkenntnisse in seine Dissertation einarbeiten kann, und hierzu bedarf es nun einmal seiner inhaltlichen Überprüfung dieser Erkenntnisse.
Leider ist der Gegenstand der öffentlichen Diskussion, wer das Eigentum auf eine Erkenntnis hat und wie dieser sein Eigentum rechtlich durchsetzt.
Aber ist es nicht sinnvoller die Frage in den Raum zu stellen, inwieweit man bereits erdachte und veröffentliche Erkenntnisse vielleicht Allen zugänglich und zu Nutze macht, zum Zwecke einer inhaltlichen Bestätigung oder Dementierung, Kritik und Verbesserung. Denn dann könnte man diese Erkenntnisse verwerten, um beispielsweise Erleichterung bei bestimmten Aufgaben oder eine Verbesserung der Lebensqualität zu schaffen. Und hierbei nimmt weder die Erkenntnis im Kopf des Erstdenkers, noch der Erstdenker selbst in irgendeiner Art und Weise Schaden.

Ich habe keineswegs die Absicht, Herrn zu Guttenberg zu verteidigen. Immerhin ist er nun ein populäres Opfer eben der Logik des Konkurrenzprinzips geworden, die er mit seiner, ebenfalls innerhalb dieser Denkweise erwirtschafteten Machtposition, für sich selbst und im Namen dieses Landes, am Hindukusch so vehement verteidigt (hat).

  1. die Meinung der Öffentlichkeit spaltende und daher medienwirksame Themen wie die Geschehnisse auf der „Gorch Fock“ oder die Reformation der Bundeswehr. [zurück]
  2. aus Sicht der Rückbetrachtung seiner Stellungnamen. Ob er nun wissentlich gelogen hat, was aufgrund seiner Statusposition zumindest nachvollziehbar wäre, oder nicht, sei dahingestellt. [zurück]