14. Oktober 2013

Nacht. Es ist schon wieder früh am nächsten Tag. Die Geister verzogen sich bereits in alte verlassene Ruinen, weil sie sich von den Gedanken der Menschen gruseln. Die Vögel singen noch nicht und ich will auch nicht auf sie warten. Nachts wirkt die Stadt ein Bisschen wie ein uralter Wald: Die Kabel und Enden der Masten sind wie Äste, die sich nach mir zu winden scheinen, die Sirenen das heulen der Wölfe, ein typischer Geruch, das Gefühl nie allein zu sein. Nur die Stille hat einen anderen Charakter. Zum Glück gibt’s hier keine Mücken! Nur die Dunkelheit verbirgt, was das Licht wieder preisgeben wird.

Ich hab gar nicht so viel zu sagen, wie ich eigentlich gern hätte. Ich quatsche vor mich hin, mit den tiefen Untiefen meiner nie schlafenden Gedankensphären und spiel mich darin in jeder Rolle besser, als jede der verborgenen Wahrheiten, die ein Karikaturist aus meinem Antlitz herauszeichnen würde. Mein Ego spaziert nachts die dunklen Gassen entlang und kickt die runden Steine vom Pflaster, über die sich die Fahrradfahrer aufregen. Meine einzigen Zeugen sind die Straßenlaternen, die mir geduldig zuhören, während ich die Melodien und Strophen in mich hinein summe, die die kleinen Ohrhörer an meinem Ipod verlassen. Jetzt, da die Tage wieder kälter werden, kommen mir wieder jene armen Seelen in den Sinn, die nicht einfach wärmende Gemütlichkeit an weißen Metallkästen herbei drehen können, die so unschuldig an den Wänden unserer trauten Zimmer hängen. Und ich laufe draußen umher und freue mich, dass ich von meinem kärglichen Gehalt gewärmt werde, dass ich im Interesse der Wirtschaft umsetzte und nun am Körper trage. Was ist eigentlich Zynik? Gesichtsmortadella zum Beispiel. Neulich sagte mir jemand, dass sie es bedaure sich verliebt zu haben, weil es unangebracht ist… eine vom Sarkasmus geschwängerte Zynik. Die alten Meister sind wieder vereint.
Ich bin zum Glück bei den Guten. Bei denen die Bier saufen, sich innerhalb von politischem Kabarett zaghaft eine Heimat suchen und sich selbst manchmal weniger ernst nehmen können als eine Seifenoper an einem an einem viel zu schönen Sonntagmorgen am 1. April. Manchmal extrem um anderen zu zeigen dass extrem sein extrem rückschrittlich ist. Stets die Kinoleinwand vor den Augen und den Karneval im Kopf; die Pupillen oft zu klein, als dass ich das Prädikat wach verdiene; keine Disko-Medizin, keine holländische Gelassenheit, nur deutscher Durst und der Rest vom Monatslohn wird die Kehle runtergespült.
Ich will die Tür zu dir aufschließen, doch finde den Schlüssel nicht. Deshalb geh´ ich jetzt erst mal wieder wandern, dreh´ die Welt einfach lauter und dämpfe alle äußeren Eindrücke, bis die Sonne aufgeht und du die Tür von innen aufmachst. Es wird Tag, in wenigen Stunden wird bestimmt Tag sein. Was ist eigentlich Zynik?

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