01. August 2013

Gedanken kreisen, finden ihren Weg in Zeichenfolgen und werden durch meine Hände in die Tastatur gemeißelt, während ich zufrieden am Bier nippe. Der kleine Frieden, nur ein Bisschen Zeit. Das wird kein Liebesvers, damit warte ich noch ´ne Weile. Eigentlich bin ich aber Romantiker, manchmal – irgendwo zwischen Rosen auf deinem Bett und Kopfnicken zu elektronischen Geräuschen. – Pause.

Ich wache auf, weil mich das schrille Zwitschern eines satanischen Geräts aus einer Welt jenseits von Gut und Böse reißt. Ein Balken staubgeschwängertes Sonnenlicht fällt schräg auf den von irgendwelchem sinnlosen Zeug übersäten Zimmerboden. Tik-Tak. Schon wieder 5 Minuten aus dem Alltagstakt. Ich bin sowieso immer zu spät. Ich krieche aus dem, mit meinem Schlaf vollgesogenen Deckenhaufen und quäle meinen Leib, der sich noch nicht entschieden hat, in welcher Welt er gerade steckt, richtung Badezimmer. Die Dusche – während heißes Wasser über das Antlitz fließt, der perfekte Platz für Alltag“philosophie“, jenseits jeglicher Akademik und doch keineswegs unbedeutender. Was mache ich eigentlich, wer bin ich, was soll das und wieso hab´ ich immer noch kein neues Shampoo gekauft… Reflektion, während Wasserdampf aus der Badezimmerluft mehr macht, als die Summe seiner Teile. Heißes Wasser, Kater, Fragezeichen, Ekelhaftigkeit, Terminkalender, Zeitdruck, ICH!
Zwischen Kultkommissar, der Kopfgeldjagd nach Hype und den tiefen Untiefen zwischenmenschlicher Verwurzelung, manchmal so down wie mein Kontostand. Selbst in den Phasen meines ritterlichen pflichtbewussten Fleißes ist das Etikett der Selbstlosigkeit nur ein Clown im Abbild meines holographischen Image-Projektors – Alltags-Selfmademanagement ist Grund und ewiger Weg. Aber allzu oft wagt sich dann doch die tiefe Sehnsucht nach einem „Winnie Pooh“-Lifestyle an das Licht des Hundert-Morgen-Waldes, gespiegelt im Tau auf den Blättern längst vergangener Kindheitsträume. Und dann gehe ich raus, in das, was vom Tag noch übrig ist. Es ist ein schöner, sonniger Tag und da ist man auch gefälligst draußen, unter Menschen, um Teil zu haben, Teil zu sein, das Leben als Teil des Lebens an sich in einem wichtigen Teilabschnitt des Lebens zu erleben. Und ich bin mir dessen vollkommen gewahr, dass sich meine hedonistische Seite daran laben wird, meinen Leib dazu zu bewegen, sich im warmen Schein unseres Hauptgestirns zu aalen. Also Sonnenbrille auf, Schal um den Hals, der nach teurem Eau de Cologne riecht – und das is´ schon korrekt so! Der Ausbalancierte Pfad zwischen Denker, Prolet und Funkloch – und ich muss auch gar keinen Anspruch haben oder irgendwie sein oder son´ Scheiß. Ich warte lieber auf die neusten Terrormeldungen, die Mücken pünktlich im Frühjahr und die nächste große Liebe. Zu kompliziert, als das alles Sinn machen müsste, zu nebelig für richtig oder falsch und zu bunt für reine Ratio. Die meisten, die immer irgendwas sein wollen, sind aber nichts. Die Reue kommt immer erst nach dem Kater. Aber was solls. Da hat man sich schon zig Mal übergeben, aber die Terrorwarnungen sind vorbei, die Mücken schon fleißig aber da war doch noch was Anderes?
Manche, die ihr ganzes Leben lang versuchen das Böse zu bekämpfen, sehen irgendwann auch nichts außer Schlechtigkeit. Warum zur Abwechslung nicht mal das Gute Stärken und hoffen, dass das Böse gegen die Wand rennt. Wir sind ja alle nur Träumer, aber wir können das Beste draus machen, an etwas Glauben. „Warum explodierst du nicht?“ – „Warum siehst du keinen Sonnenschein?“ Ich will außerdem gar nicht, dass sich alle an die Regeln halten, denn dann wären wir alle Maschinen in einer Welt wo Emotionen keinen Platz finden sollen. Es geht nicht um mich, nicht um dich, sondern um das „Uns“, dass uns zu so viel mehr macht als unser Selbst isoliert imstande ist zu erreichen.
Manchmal verstehen wir die ganze Welt, wenn wir des Nachts am Lagerfeuer liegen und unsere Augen gen Sternenhimmel richten, was den einen oder Anderen ein Gefühl ausbrüten lässt, was uns für Augenblicke von jeglicher Materialität davonträgt. Manchmal fühlt man dies auch mit einem einzigen Blick auf einen bestimmten Menschen und aller Sinn steht da plötzlich vor Einem. Diese Sterne, Lichter – eine Strecke entfernt, die sich unserer Vorstellungskraft entzieht, von Körpern ausgesandt, die schon seit Äonen nicht mehr existieren mögen, verraten uns so viel über uns selbst: Die Sehnsucht nach etwas Weiterem, etwas Größerem. Und dann brauche ich die Sterne nicht mehr, denn diese Dinge liegen hier, vor uns, auf einer Welt, von dem die Meisten nicht mal einen Prozent kennen. Wir müssen nur mal wieder zurück hier her. Wir müssen nur mal wieder hinsehen!

Vielleicht sollte ich mal ein Buch schreiben… oder vielleicht sollte ich auch einfach mal wieder mein Geschirr abwaschen.

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