10. Februar 2012

„Man lebt nur einmal“ ist ein Spruch der nur allzu leichtfertig über die Lippen kommt. Meistens wird er im Raum stehen gelassen, ohne dass das Ziehen von Konsequenzen, dem leeren Gehalt irgendeine Bedeutung verleihen könnte. Das Grinsen das neben dem Satz herläuft, hüllt ihn in einen Schleier aus Belanglosigkeit. Warum müssen wir es, wenn auch so banal, rechtfertigen, uns gehen zu lassen, mal über die Stränge zu schlagen? Weil es etwas Besonderes ist, was man sich nicht oft erlauben kann und soll, in dieser hastigen Welt, in diesen produktiven Zeiten.

Die Zeit ändert die Dinge nicht. Die Menschen ändern die Dinge, und alles was unangetastet bleibt, bleibt so wie es ist.
Man wird sich seiner Endlichkeit rückt umso mehr in das Bewusstsein, je näher man an das Ende gelangt.
Und plötzlich scheinen sich die Bedeutungen zu verschieben, wenn man dieses Bewusstsein in das alltägliche Denken und Handeln einbindet. Das Kleine wird Groß, das Beiläufige wird magisch, das Graue wird Bunt. Aber das was war, wird nicht mehr sein, das Vergangene kehrt nicht wieder. Und bald schon geht es nicht mehr darum, etwas nicht mehr ändern zu können, sondern zu bedauern, etwas niemals verändert zu haben.
Dann sitzt der gezeichnete Mensch in seinem Schaukelstuhl, versunken in den Geschichten, die er jeden Tag mit sich trägt und muss sich fragen ob er alles erreichte, was er erreichten wollte, malte was er fühlen konnte, sagte was es zu sagen galt, bewegte was zu bewegen war und liebte, was er zu lieben im Stande war. Und er begreift, dass er die Antwort auf diese Fragen, wohl schwerlich allein in sich selbst findet. Was werden wir sehen aus dem schmalen Blickwinkel des Rückblicks, was werden wir fühlen, auf der scharfen Kante der Fragen, die wir uns stellen werden? Welche Geschichte werden wir erzählen? Wird es eine sein, an deren Ende man das Buch zufrieden zuklappen kann, eine, die sich viele in das Regal stellen?

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